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Sie kennen mich ...
Ich bin ein netter gast,
Ich beklage mich nie.
Wenn mir niemand bei meiner ankunft mit meinem gepäck behilflich
ist und auch kein gepäckwagen im hotel zur verfügung steht,
sage ich keine Wort.
Am empfang warte ich geduldig, auch wenn ich wie am postschalter
abgefertigt und mit "computerblick eingecheckt" werden,
bleibe ich höflich und zuvorkommend.
Die "begrüßungsfrage": wie wollen Sie zahlen ?
ist wohl in dieser branche üblich, also akzeptiere ich sie.
Wenn die kellner im restaurant ja so viele andere tische bedienen
müssen und mich glatt übersehen, nehme ich auf meine
mitmenschen Rücksicht.
Nie beschwere ich mich.
Auch wenn nach langer wartezeit das teure essen lauwarm, lieblos
angerichtet und eher hergeschleppt als serviert wird, bleibe ich
ruhig und zeige verständnis für die probleme der gastronomie.
Überall im hotel werde ich als "nummer" behandelt und
fühle mich unwichtig, ersetzbar - ja für viele mitarbeiter
nahezu lästig.
Nie kritisiere ich.
Es würde mir nicht im traum einfallen, wie andere leute in der
öffentlichkeit eine szene zu machen.
Das ist ja so albern.
Ich bin ein netter gast.
Ich will ihnen aber auch sagen, was ich noch bin.
Ich bin der gast, der nie wieder zurückkommt.
Das ist meine kleine rache dafür, daß man mich kaum beachtet.
Gewiß, auf diese weise kann ich meinem ärger nicht gleich
luft machen, aber auf lange sicht ist dies eine viel tödlichere rache.
Wer zuletzt lacht, lacht am besten, sagt man.
Ich lache, wenn ich sehe, wie sie wie verrückt geld für
werbung ausgeben, um mich zurückzuholen.
Dabei hätten sie mich doch von anfang an mit ein paar netten
worten und einem freundlichen lächeln behalten können !
Dieser text entstammt einem flyer eines gastronomieverbandes.
Leider ist nicht mehr nachzuvollziehen welcher dies war.
Bemerkung unter dem text:
"abgewandelt auf die Hotellerie nach einer Schulungsunterlage
aus dem Handel" |